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Google-Algorithmus (Google-Ranking-Systeme)

Wenn die Sichtbarkeitskurve fällt

Die Sichtbarkeit sinkt, und im Team fällt sofort der Satz: „Das war der Algorithmus." Manchmal stimmt das. Oft liegt die Ursache aber ganz woanders – und um das zu unterscheiden, hilft ein klarer Begriff davon, was „der Algorithmus" eigentlich ist.

Der Google-Algorithmus ist der Sammelbegriff für die automatisierten Ranking-Systeme, mit denen Google Suchergebnisse auswählt und ordnet. Genau genommen handelt es sich nicht um einen einzelnen Algorithmus, sondern um viele Systeme, die zahlreiche Signale über hunderte Milliarden Seiten hinweg auswerten. Google verändert diese Systeme laufend, größere Anpassungen werden als Updates angekündigt.

Für Website-Verantwortliche wird der Algorithmus vor allem in zwei Situationen zum Thema: wenn verstanden werden soll, wie das Ranking zustande kommt, und wenn nach einem Update Sichtbarkeit verloren geht. In beiden Fällen hilft ein nüchterner Blick auf das, was Google tatsächlich dokumentiert. Die Einordnung solcher Veränderungen gehört zu den Kernaufgaben einer SEO-Beratung.

Viele Ranking-Systeme statt einer Formel

Google beschreibt heute eine Reihe benannter Ranking-Systeme. Zu den aktiven gehören unter anderem BERT, RankBrain und Neural Matching für das Sprachverständnis, Systeme zur Linkanalyse einschließlich PageRank, Systeme für Originalinhalte und verlässliche Informationen, das Reviews-System für hochwertige Rezensionen, Systeme für Aktualität und Vielfalt der Ergebnisse, zur Erkennung von Duplicate Content sowie zur Spam-Erkennung. MUM nutzt Google nach eigenen Angaben bislang nur für einzelne Anwendungen, nicht für das allgemeine Ranking.

Bekannte Namen aus früheren Jahren laufen dagegen nicht mehr als eigenständige Systeme. Google führt sie als „retired", also in Nachfolgesysteme oder die zentralen Ranking-Systeme integriert:

  • Panda (2011 angekündigt) ist seit 2015 Teil der Core-Systeme.
  • Penguin (2012 angekündigt) wurde 2016 in die Core-Systeme integriert.
  • Hummingbird war 2013 eine grundlegende Überarbeitung der gesamten Ranking-Systeme.
  • Das System für hilfreiche Inhalte ist seit März 2024 Teil der Core-Systeme.

Wer heute von einem „Panda-" oder „Penguin-Update" spricht, beschreibt einen Stand von vor rund zehn Jahren.

Meilensteine der Entwicklung

An einigen Wegmarken lässt sich die Geschichte der Google-Suche ablesen:

Jahr System oder Update Kern
1996 PageRank Bewertung von Seiten über ihre Verlinkung, entwickelt an der Stanford University
2011 Panda Abwertung inhaltlich schwacher Seiten
2012 Penguin Vorgehen gegen manipulative Links
2013 Hummingbird grundlegende Überarbeitung, besseres Verständnis ganzer Anfragen
2015 RankBrain maschinelles Lernen im Ranking
2019 BERT besseres Sprachverständnis; laut Google zum Start bei etwa jeder zehnten englischsprachigen Suche in den USA eingesetzt
2021 MUM Sprachmodell, laut Google 1.000-mal leistungsfähiger als BERT; bislang nur für Einzelanwendungen genutzt
2024 Helpful Content in Core System für hilfreiche Inhalte wird Teil der Core-Systeme

Quellen: Google Search Central, Leitfaden zu Ranking-Systemen; Google-Blog; Wikipedia, Timeline of Google Search.

Core Update, Spam Update oder manuelle Maßnahme?

Sichtbarkeitsverluste haben unterschiedliche Ursachen. Sie unterscheiden sich in Auslöser, Wirkung und Ausweg:

Merkmal Core Update Spam Update Manuelle Maßnahme
Auslöser breite Anpassung der Ranking-Systeme, mehrmals im Jahr Verbesserung der Spam-Erkennung, u. a. durch das KI-System SpamBrain Prüfung durch eine Person bei Google, die Verstöße gegen die Spam-Richtlinien feststellt
Ziel Inhalte insgesamt neu bewerten, nicht einzelne Websites Spam-Praktiken erkennen und neutralisieren konkrete Website mit Richtlinienverstoß
Erkennbar über Zeitpunkt im Search Status Dashboard Zeitpunkt im Search Status Dashboard Bericht „Manuelle Maßnahmen" in der Search Console
Erholung durch bessere Inhalte, unter Umständen erst mit einem späteren Core Update sichtbar nach Behebung, unter Umständen erst über Monate nach Behebung und Antrag auf Überprüfung

Quellen: Google Search Central (Core Updates, Spam Updates), Search-Console-Hilfe.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Bewertung. Ein Core Update ist keine Strafe. Google vergleicht es mit einer aktualisierten Bestenliste, auf der Einträge nach unten rutschen können, ohne „schlecht" zu sein, weil andere Inhalte nun besser passen. Einzelne technische Fehler zu „reparieren", führt daher selten zur schnellen Erholung.

Anders beim Spam Update: Neutralisiert es Link-Spam, ist der Nutzen, den diese Links zuvor gebracht haben, verloren und kommt auch nicht zurück. Das betrifft vor allem gekaufte Backlinks.

Wie Google Updates ankündigt

Größere Updates veröffentlicht Google im Google Search Status Dashboard, jeweils mit Startdatum und Dauer des Rollouts. Einige Beispiele:

  • Das März-2024-Core-Update begann am 5. März 2024 und lief 45 Tage, zusammen mit einem Spam Update; mit ihm wurde das System für hilfreiche Inhalte in die Core-Systeme überführt.
  • Das März-2026-Core-Update startete am 27. März 2026 und war nach 12 Tagen abgeschlossen.
  • Das Mai-2026-Core-Update folgte am 21. Mai 2026 mit einem Rollout von 11 Tagen.

Daneben verzeichnet das Dashboard regelmäßig Spam Updates und weitere Anpassungen. Wer Sichtbarkeitsschwankungen bewertet, sollte die eigenen Daten deshalb immer mit dem Dashboard abgleichen.

Nach einem Update: erst Diagnose, dann Maßnahmen

Bricht die Sichtbarkeit ein, hilft ein fester Diagnoseweg mehr als Aktionismus:

  1. Manuelle Maßnahmen ausschließen: Den gleichnamigen Bericht in der Search Console prüfen.
  2. Zeitpunkt abgleichen: Fällt der Einbruch in den Rollout eines Core oder Spam Updates im Dashboard?
  3. Technische Ursachen ausschließen: Wurde kürzlich umgezogen, eine robots.txt geändert, eine Weiterleitung gesetzt oder die Indexierung eingeschränkt? Solche Fehler fallen zeitlich oft zufällig mit Updates zusammen.
  4. Betroffene URLs und Suchanfragen eingrenzen: Welche Inhalte haben verloren, und welche Ergebnisse stehen jetzt dort?
  5. Inhalte ehrlich bewerten: Bei Core Updates hilft die Frage, ob die eigenen Inhalte hilfreicher und verlässlicher sind als die neuen Konkurrenten – das Qualitätskonzept E-E-A-T bietet dafür Leitfragen.

Gerade Schritt 3 wird gern übersprungen. In der Praxis zeigt sich nach Relaunches immer wieder, dass ein vermeintlicher Update-Verlust in Wahrheit auf eine geänderte Weiterleitung oder eine zu strenge robots.txt zurückgeht. Erst die Daten, dann die Maßnahmen – sonst wird an Symptomen gearbeitet, die mit der eigentlichen Ursache nichts zu tun haben.

Häufige Fragen zum Google-Algorithmus

Wie viele Rankingfaktoren hat Google?

Google nennt keine Zahl. Die oft zitierten „über 200 Faktoren" sind keine aktuelle Google-Angabe. Google spricht von vielen Faktoren und Signalen, die in benannten Ranking-Systemen zusammenwirken.

Was ist der Unterschied zwischen einem Core Update und einer Abstrafung?

Ein Core Update bewertet Inhalte insgesamt neu und zielt nicht auf einzelne Websites. Eine Abstrafung im engeren Sinn ist eine manuelle Maßnahme wegen eines Verstoßes gegen die Spam-Richtlinien; sie wird in der Search Console angezeigt.

Wie lange dauert die Erholung nach einem Core Update?

Verbesserungen können unter Umständen erst mit einem späteren Core Update sichtbar werden, die Erholung kann also Monate dauern. Eine Garantie für die Rückkehr zu alten Positionen gibt es nicht.

Gibt es Panda und Penguin noch?

Nicht als eigene Updates. Beide Systeme sind seit 2015 beziehungsweise 2016 Teil der zentralen Ranking-Systeme.

Updates einordnen statt hektisch reagieren

Der Algorithmus ist ein System, kein Gegner. Core Updates sind keine Strafen, Spam Updates neutralisieren Manipulation, manuelle Maßnahmen betreffen konkrete Verstöße. Nach einem Update ist die Versuchung trotzdem groß, an vielen Stellen gleichzeitig zu drehen. Wirksamer ist eine saubere Diagnose: Ursache bestimmen, betroffene Inhalte eingrenzen, Maßnahmen priorisieren. mindtwo analysiert Sichtbarkeitsveränderungen auf Basis von Search Console und Update-Chronik und leitet daraus einen realistischen Plan ab. Angebot anfragen, wenn Sie die Folgen eines Updates einordnen und gezielt angehen wollen.

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